Donnerstag, 16. Juli 2026
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Die Verantwortung der Deutschen für Orbáns Erfolg

Die Wahl in Ungarn hat die Politik Europas erneut herausgefordert. Auch wir Deutschen müssen kritisch auf unseren Einfluss auf den ungarischen Kurs blicken.

Von Julia Klein2. Juli 20262 Min Lesezeit

BONN, 2. Juli 2026Eigener Bericht

An einem grauen Nachmittag, während ich durch die Straßen einer kleinen deutschen Stadt schlenderte, fiel mein Blick auf ein Plakat, das für die bevorstehenden Wahlen in Ungarn warb. Die markanten Gesichtszüge von Viktor Orbán und die plakative Botschaft darauf luden zum Nachdenken ein. Wie kam es, dass dieser Mann, der in Europa für einen demokratiefeindlichen Kurs steht, derart populär wurde? Inmitten der politischen Turbulenzen, die Ungarn in den letzten Jahren durchlebt hat, wird oft vergessen, dass auch wir Deutschen eine Rolle gespielt haben.

Es ist leicht, den Finger auf die ungarische Regierung zu zeigen und ihre Entscheidungen zu verurteilen. Orbáns Politik ist in vielerlei Hinsicht offensichtlich problematisch – von der Einschränkung der Pressefreiheit bis hin zur Entmachtung der unabhängigen Institutionen. Doch wenn wir uns selbst im Spiegel betrachten, müssen wir erkennen, dass wir durch unsere eigenen Entscheidungen und unser Verhalten dazu beigetragen haben, seine Macht zu festigen.

In der Flüchtlingskrise 2015 beispielsweise war die Reaktion vieler europäischer Länder oft durch Angst und Unsicherheit geprägt. Anstatt eine gemeinsame, humane Lösung zu suchen, öffnete sich ein Riss in der Europäischen Union. Ungarn war dabei nicht nur ein Akteur, sondern auch ein Beispiel für die härteren, nationalistischen Tendenzen, die in vielen Ländern aufkeimten. Deutschland, als einflussreichstes Land der EU, hätte mit seiner Haltung und seinen Entscheidungen diesen Tendenzen entgegenwirken können.

Doch in der Politik sind die Entscheidungen oft von kurzfristigen Überlegungen geprägt. Das Ziel, die eigene Bevölkerung zu beruhigen, wurde in den Vordergrund gestellt. In einem Land, in dem sich rechtspopulistische Strömungen formierten, wie wir sie in der AfD sehen, geriet die langfristige Perspektive auf eine gemeinsame europäische Lösung für Flüchtlinge in den Hintergrund.

Die Wahlen in Ungarn sind nicht nur eine Angelegenheit für die Ungarn. Die Ergebnisse sind ein Spiegelbild der Strömungen und Meinungen, die auch in Deutschland zu finden sind. Wir müssen uns fragen, ob wir durch unsere eigene Politik und Rhetorik, die oft von Nationalismus und Ausgrenzung geprägt ist, nicht auch dazu beitragen, dass Menschen wie Orbán an der Macht bleiben. Es ist kein einfacher Prozess, die eigene Schuld zu erkennen, doch er ist notwendig, wenn wir eine europäische Gemeinschaft aufbauen wollen, die auf Werten wie Freiheit und Gleichheit basiert.

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir beobachten, wie sich die politische Landschaft in Ungarn entwickelt. Doch während wir die Entwicklungen verfolgen, sollten wir auch einen kritischen Blick auf uns selbst werfen. Vielleicht gibt es Lehren, die wir aus Orbáns Erfolg ziehen können, um sicherzustellen, dass der Fokus in der zukünftigen Politik nicht nur auf kurzfristigen Gewinnen, sondern auf einer gerechten und demokratischen Gesellschaft liegt.

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